INT0500142 – Eisenbahn-Kulturerbe_D-PL

Beschreibung

Die beiden heute noch vorhandenen, früher in einem Netz vereinigten Klein- und Schmalspurbahnen Pommerns und Vorpommerns, die Rügensche BäderBahn (RüBB) auf deutscher Seite und die Nadmorska Kolej Wąskotorowa (NKW) auf polnischer Seite, können auf eine gemeinsame Geschichte von den Anfängen der Bahnen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zurückblicken. Diese Gemeinsamkeiten finden sich bis heute in gleichen räumlichen Strukturen wieder, wie in der Eisenbahntechnik, der baulichen Infrastruktur, den durchfahrenen Landschaften und den Arbeitswelten der Eisenbahner sowie touristisch in der besonderen Atmosphäre einer Zugfahrt.
Diese Gemeinsamkeiten, die als „gemeinsames Eisenbahn-Kulturerbe“ verstanden werden, führten dazu, dass seit 2023 in zahlreichen Arbeitstreffen, Mitarbeiteraustauschen, Tagungen, Videokonferenzen die gemeinsame Geschichte, die gegenwärtigen Stärken, Schwächen, aber auch Herausforderungen und Chancen für die Zukunft der Bahnen vertieft wurden.
Flankiert wurde dies nach Kontakten zu Akteuren des EU- geförderten Projektes (Interreg VA) „Technikgeschichte in Pommern“ des Otto-Lilienthal-Museum-Anklam und des Museums für Technik und Kommunikation Stettin auch durch das Gemeinsame Sekretariat Interreg VI A, z.B. mit gemeinsamen Schulungen. Zunehmend erkannte man, dass sich beide Bahnen so ähnlich sind, dass ein gemeinsames grenzüberschreitendes Vorgehen, allen kulturellen Unterschieden und auch Sprachbarrieren zum Trotz, die Stärken und Chancen beider Bahnen erforderlich ist.
Basis soll innovatives partnerschaftliches Handeln sein, welches auf die beschriebene sich gleichende Struktur aufbaut und dazu führt, dass Menschen im Erleben beider Bahnen Grenzen als überwunden empfinden.
Im Rahmen des Projektes sollen die seit 1945 auf den genannten räumlichen Ebenen unterbrochene Verbindungen der Bahnstandorte symbolisch überbrückt und Gäste und Einheimische zum grenzüberschreitenden Erleben angeregt werden. Dieser Brückenschlag wird durch Kooperationen und eine gemeinsame grenzüberschreitende Bearbeitung vorangetrieben.Die gemeinsame Klein- und Schmalspurbahngeschichte in Technik, Bauten, Arbeitswelten u. m. wird anschaulich dargestellt. Durch gemeinsame Aktivitäten in allen Handlungsfeldern des Projektes soll eine gelebte „Eisenbahn-Erlebnislandschaft“ an den Projektstandorten, am Betriebsmittelpunkt der RüBB in Putbus sowie am Betriebsmittelpunkt der NKW in Gryfice, auf Grundlage eines gemeinsam erarbeiteten Konzeptes entstehen.
In Putbus plant der Projektpartner Landkreis Vorpommern Rügen (LK-VR) den Teil dieses Konzeptes mit dem Wiederaufbau eines historischen Gebäude- und Freiflächen-Ensembles, mit Ausstellungsräumen für eine partnerschaftliche Ausstellung und einem Dreischienengleis zur Präsentation eines partnerschaftlich mit einer Ausstellung ausgestatteten Botschafterwagen der NKW aus Polen. Der Projektpartner RüBB realisiert in Putbus ein zugehöriges Wegeleitsystem und einen Info-Point.
Die Projektpartnerin Gemeinde Rewal plant den Teil dieses Konzeptes am Standort Gryfice mit der Instandsetzung eines historischen Lokomotivschuppens als Ausstellungs- und Depotgebäude mit einer partnerschaftlichen Ausstellung, einem Lehrpfad, der Instandsetzung einer historischen Dampflokomotive als bewegliches Ausstellungsexponat sowie mit einem, mit einer partnerschaftlichen Ausstellung versehenen, Botschafterwagen. Alle Projektteile, auf polnischer und deutscher Seite, dienen ausschließlich einem nichtbetrieblichen musealen Gesamtkonzept.
Den Brückenschlag bilden neben den Eisenbahnerlebnis-Landschafts-Standorten in Putbus und Gryfice, weitere Themenstandorte und die assoziierten Partner, hier u.a. die Gemeinde Rewal mit ihren Bahnhöfen der ihr eigenen NKW, das Museum für Seefischerei Niechorze, das Schmalspurbahnmuseum in Gryfice („Ständige Ausstellung der pommerschen Schmalspurbahnen“), das Museum für Technik und Kommunikation in Stettin, das Erlebniszentrum Lokschuppen in Pasewalk, der Mecklenburg-Pommersche-Schmalspurbahn Freunde e. V. in Schwichtenberg, das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam, das Pommersche Landesmuseum in Greifswald, die Stadt Putbus im Rahmen ihrer Städtepartnerschaft mit Rewal u.w.
Die beiden Bahnen schließen sich zur gemeinsamen Marketingstrategie „Partnerbahnen“ zusammen und bieten mehrsprachige Webauftritte, Informationsflyer, Partnerbahnen-Angebote unter Einbeziehung touristischer Angebote vor Ort und vermitteln die vernetzten Angebote der Partner.
Beide Bahnen veranstalten jährlich gegenseitige Austausche Auszubildender sowie einen Mitarbeiteraustausch für den Wissenstransfer. Mit der Integration von jungen Menschen auf deutscher und polnischer Seite wurde bereits begonnen.
Mit der grenzübergreifend entstehenden Eisenbahn-Erlebnislandschaft an zwei Standorten, eingebunden in ein Netzwerk attraktiver touristischer Anziehungspunkte, lassen sich die Besucherzahlen gerade in der Nachsaison deutlich steigern. Ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiger Tourismus wird gefördert.

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